Rückenschmerzen durch Korsett?Vielleicht kann mir jemand diese Frage beantworten: Antwort: Bei der Beantwortung muss man grundsätzlich zwischen "gesundem" und "krankem" Rücken unterscheiden. Zunächst zum "gesunden" Rücken: Geformt und gestützt wird unser Rücken bekanntlich durch die Wirbelsäule. Diese besteht aus knöchernen Strukturen, den Wirbelkörpern, mit Ihren Dorn- und Querfortsätzen, sowie den Bandscheiben als Puffern zwischen diesen. In dem umknöcherten Wirbelsäulenkanal verläuft geschützt das Rückenmark. Von diesem treten seitlich durch die Räumen zwischen den Querfortsätzen die Nervenwurzeln aus, die unseren gesamten Körper mit Gefühl und Motorik versorgen. Von der Seite betrachtet beschreibt die Wirbelsäule eine "S"- förmigen Verlauf (siehe Abbildung), von vorn drauf geschaut ist sie grade. Die Statik wird vor Allem durch eine muskuläre Verspannung zwischen den Quer- und Dornfortsätzen gewährleistet. Weitere Schulter- und Rumpfwandmuskulatur setzt ebenfalls an der Wirbelsäule an. Nimmt man nun zum Beispiel an, bestimmte Abschnitte der Rückenmuskulatur seien durch lang- sitzende Tätigkeiten (=Schreibtisch) nur schwach entwickelt oder verkürzt, so wäre es denkbar, dass durch das Tragen eines Korsetts die sonstige ("schlaffe") Haltung in eine aufrechte Position überführt wird und somit die Rückenmuskulatur anders als sonst beansprucht wird. Eine Folge könnte ein simpler Muskelkater sein. Einen andere Erklärung wäre eine "Zerrung" oder "Verspannung" von Muskeln, welche entsprechend nachfolgend schmerzen. Vereinfacht ausgedrückt: Muskeln müssen im Korsett plötzlich eine gänzlich andere Wirbelsäulenstatik gewährleisten und sind damit akut überfordert. Bei einem schlecht sitzenden Korsett kann es auch zu lokalen Druckspitzen kommen, welche dann direkt zu schmerzenden Muskelpartien führen könnten. Unsere Empfehlung: Das Korsett muss zunächst gut passen, d.h. es darf nicht drücken und sollte keine unnatürliche Zwangshaltung provozieren. Zusätzlich empfiehlt sich Rücken- kräftigende Gymnastik und -Dehnungsübungen. Die Tragedauer nicht übertreiben, sondern lieber allmählich steigern damit sich der Körper an die neue Situation gewöhnen kann. Hiervon muss man Erkrankungen der Wirbelsäule unterscheiden: Skoliosen: Eine Skoliose ist eine krankhafte Seitverbiegung der Wirbelsäule. Eine Therapieoption dieser Erkrankung ist ein spezielles Korsett. Die Betonung liegt dabei auf "spezielles". Wird hier ein "ästhetisches" Korsett getragen kann es ebenfalls zu Druckspitzen, Muskelverspannungen und damit Schmerzen kommen (s.o.). Bei degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen (bspw. Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten, Verengungen) kann das Korsett sowohl nutzen als auch schaden! Entscheidend ist einzig, ob durch die mit dem Korsett erreichte Stellung der Wirbelkörper zueinander, Engstellen aufgeweitet oder noch weiter verengt werden. Dies betrifft vor Allem die seitlich aus dem Rückenmark austretenden Nervenwurzeln. Sie passieren zwischen den Querfortsätzen den knöchernen Schutzkanal und gelangen so zu ihrem Zielort. Bei dem typischen "Hexenschuss" kommt es durch eine Enge zu einer Irritation eines solchen Spinalnerven, welches zu Schmerzen und einen reflektorischen (ebenfalls schmerzhaften) Muskelverspannung führen kann. Engt man durch Tragen eines Korsetts diese Passage noch weiter ein, verschlechtert sich der Zustand. Wird andernfalls eine bestehende Enge durch das Tragen eines Korsetts eher weiter und wird die verspannte Muskulatur durch das Korsett entlastet, indem Ihre Funktion von dem Korsett teilweise übernommen wird, so kann es zu einer Besserung führen. Eine pauschale Antwort ist nicht möglich. |
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