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Kategorie: Das Korsett
Eine kleine Korsettgeschichte
Vorwort:
Das Korsett begleitet die Mode, Kunst und Kultur schon seit mehreren hundert Jahren - bis in die heutige Zeit hinein. Wo die Ursprünge des Korsetts liegen und in welchem gesellschaftlichen Kontext das Korsett in den verschiedenen Epochen zu sehen ist soll hier kurz beleuchtet werden. Diese kleine Abhandlung zur Geschichte des Korsetts erhebt dabei keinen Anspruch an Vollständigkeit, sondern kann nur einen komprimierten Überblick über die charakteristischen Besonderheiten der Korsettmode geben.
Die Antike:
Es gibt keine handfesten Beweise in Form von Schriftstücken oder Gemälden, welche die Existenz von Korsetts, oder etwas ähnlichem zu dieser Zeit belegen würde. Dies soll jedoch nicht heißen, dass dieseForm der Mode nicht bekannt war. Zumindest gab es schon in der ersten europäischen Hochkultur, der minoische Kultur (2800 bis 900 v. Chr.), das Idealbild einer schmalen Taille. Viele Darstellungen und Skulpturen aus dieser Zeit erwecken den Eindruck, dass zumindest eine Art Mieder getragen wurde.
In der darauf folgenden griechischen Hochkultur wurde ebenfalls figurbetonte Kleidung getragen, wobei die Römer eher die schlichte Tunika bevorzugten.
Das dunkle Mittelalter:
Einen Beweis für das Tragen von Korsetts gibt es in dieser Zeit immer noch nicht, dennoch bietet das Mittelalter Aufschlussreiches für deren Entwicklung:
In diesen rauen Zeiten entwickelte sich zusehends das kunstvolle Schmieden von Rüstungen. Diese Brustpanzer waren vielleicht die ersten Vorbilder der frühen Korsetts (französisch "corset" bedeutete ursprünglich "Brustharnisch"). Parallel dazu reifte in Europa erstmalig eine Mode mit wechselnden Stilen, zumindest in der Oberschicht. Hierbei wurde in der französisch- burgundischen Mode (1390 bis 1450 n. Chr.) die Kleidung allmählich enger. Der Mann trug unter einer so genannten "Schecke" (altfrz. "jaque" - Jacke) ein eng anliegendes Wams und Strumpfhosen, die bis zur Hüfte reichten. Die Frauenkleidung lag oben eng an, war teilweise frontseitig geschnürt, manchmal mit Draht verstärkt und sehr tief ausgeschnitten. In der Taille gegurtet, fiel der Rock weit ausgestellt mit einer langen Schleppe nach unten.
Die Renaissance 1400 - 1600 n.Chr.:
Der Begriff der Renaissance bezeichnet als historische Epoche den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. In kultureller Hinsicht meint es eine Wiederbelebung antiker Ideale in Literatur, Philosophie, Wissenschaft und besonders in der Malerei und der Architektur.
Ab Anfang des 16. Jahrhundert war Spanien durch die Goldschätze der "neuen Welt" zur einflussreichen politischen Macht in Europa aufgestiegen und beeinflusste über Jahrzehnte maßgeblich auch die höfische Mode. Die bis heute kostümgeschichtlich bekannte Begrifflichkeit der "spanischen Hofmode" begründete sich weniger auf den teuren und prunkvollen Gewändern. Spanien war das Zentrum der katholischen Gläubigkeit. Die Männer- und Frauenmode war daher steif und hochgeschlossen und zeichnete sich durch eine nüchterne, strenge Silhouette aus. Man trugt meist schwarze Farben mit hohen Halskrausen. Durch diese künstliche Steifheit sollte auch die Unnahbarkeit der vornehmen Dame dargestellt werden. Diese hoheitsvolle Unnahbarkeit stand im Widerspruch zu mütterlichen Proportionen, so dass die weibliche Figur jedweder Rundung beraubt wurde. Die Kleidung strebte eine aufeinander stehende Doppelkegel- Silhouette an, welche nur mit der Unterstützung eines Korsetts und eines kegelförmiges Reifrocks (Verdugado) erreicht werden konnte.
Diese ersten Korsetts bestanden aus Miedern, in die Fischbein, Elfenbein oder Holzstäbe und teilweise auch Metallteile eingenäht wurden. Um beispielsweise die Brust zu verbergen wurden Bleiplatten eingearbeitet. Dies ist der erste in der Geschichte bekannte Einsatz eines den Körper verformenden und durch Einlagen verstärkten Kleidungsstückes - das Korsett war geboren! Diese ersten Korsetts hatten nicht die Funktion einer Taillenreduktion, waren jedoch sicherlich mit die unbequemste Mode die je getragen wurde.
Dieser spanische Stil beeinflusste auch die anderen Königshöfe, besonders die französischen und englischen, bis weit ins 17. Jahrhundert hinein. Die typische Renaissancemode mit ihren kostbaren Materialien war "selbstverständlich" dem Adel vorbehalten und repräsentierte ihren privilegierten Status. Die Form der Kleidung hätte auch gar keine körperliche Arbeit zugelassen. Das arbeitende Volk trug hingegen bequemere Arbeitskleidung - die späteren Trachten.
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich parallel dazu die "Schnürbrust" ein separates Kleidungsstück, welches unter dem nur leicht versteiften oberen Kleidungsstück getragen wurde. Dieses Kleidungsstück wurde erst sichtbar, als sich die Kleider vorn öffneten
Die Schnürbrust war meist aus besonders edlen Stoffen gewebt und aufwendig verziert, da die Vorderseite nun im Dekolleté zu sehen war. Sowohl das spanische Mieder, als auch die Schnürbrust wurden in der Front mit der so genannten Planchette (deutsch: Blankscheit), einem kräftigem Holzstab, verstärkt. Diese Planchette wurde vorn in das Korsett geschoben und so eine grade Linie erreicht. Sie war ca. 4cm breit und reichte fast bis zur Spitze, Schneppe genannt. Der Querschnitt war flach dreieckig, also in der Mitte etwas dicker und fiel zu den Seiten ab.
Außerdem war es eine beliebte Liebesgabe: Vom Verehrer wurden Liebesbekundungen hineingeschnitzt, die dann so der Brust der Angebeteten nahe waren!
Die Schnürbrust war recht simpel geschnitten. Ihr Sinn bestand auch nicht darin sich dem Körper anzupassen, sondern diesen in eine Röhre zu pressen. Sie wurde in der Regel aus 4 Teilen gefertigt und in der Mitte geschnürt. Hier gab es regionale Unterschiede: Die Engländer schnürten nur im Rücken, die Franzosen bevorzugten eher die Frontschnürung. Die Schnürbrust reichte von der Achsel bis zur Hüfte und hatte Schulterträger. Am unteren Rand waren Laschen angebracht, welche unter den Rock gesteckt wurden, die Schneppe befand sich sichtbar darüber. Die Schneppe wird aus diesem Grund, ähnlich wie die Spitze des männlichen Wams, als Metapher des Genitales gedeutet und ist somit als erotischer Reiz zu verstehen.
Weiteres Ausführungen in Kürze.